Was sind eigentlich Probiotika?





Bei Probiotika handelt es sich um Mikroorganismen, die dem Menschen einen gesundheitlichen Nutzen bringen können, sofern sie in ausreichender Menge aufgenommen werden. Die Bezeichnung Probiotikum leitet sich vom griechischen Wort pro bios ab, was so viel wie für das Leben bedeutet.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) handelt es sich bei Probiotika um Mikroorganismen, in den meisten Fällen Bakterien, die lebend verzehrt werden und somit eine positive Wirkung auf den Körper haben.

Wo siedeln sich Mikroorganismen im Körper an?

Mikroorganismen, besonders Bakterien, wissen die Darmflora als perfekten Lebensraum zu schätzen. Der menschliche Darm hat eine Gesamtlänge von bis zu neun Metern und verfügt über eine Fläche von 400 Quadratmetern. Auf dieser Fläche leben circa 100 Billionen Bakterien, die sich in 1000 verschiedene Arten unterscheiden lassen. Die größte Bakteriendichte (mit etwa 1500 g) weist der Dickdarm auf. Bei den Darmbakterien gibt es sowohl gute als auch böse Arten. Für eine gesunde Darmflora sollte der gute Teil überwiegen (mindestens 85 Prozent).

Welche Aufgaben übernehmen Mikroorganismen im Körper?

Unsere Darmbakterien sind vor allem für die Verdauung wichtig, bilden aber auch eine natürliche Schutzbarriere, die unerwünschte Bakterien daran hindert, in den Blutkreislauf einzudringen. Der Darm bildet somit ein eigenes Immunsystem, in dem sich fast 70 Prozent der körpereigenen Abwehrzellen befinden. Dieses natürliche Abwehrsystem bildet sich bereits in den ersten Lebensjahren, begünstigt durch das Stillen. Ein gesunder Darm kann zudem positive Auswirkungen auf das Gehirn haben. Dabei wird von einer Vernetzung zwischen Gehirn und Darm gesprochen. Umgangssprachlich sogar vom sogenannten Darmhirn. In der medizinischen Fachsprache wird dieses „zweite Gehirn“ als enterisches Nervensystem bezeichnet. Dabei handelt es sich um ein komplexes Netz aus Nervenzellen, was fast den gesamten Darm durchzieht. Hauptsächlich ist dieses für die Steuerung der Verdauung zuständig. Der Zusammenhang zwischen Gehirn und Darm sollte daher nicht unterschätzt werden.

Wann traten Probiotika in unsere Ernährung?

Bereits vor 100 Jahren gab es die ersten Forschungen bezüglich Probiotika und ihrem gesundheitlichen Nutzen. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse haben besonders in den letzten Jahren Fortschritte gemacht und untersuchen vor allem die die Behandlungsmöglichkeiten mit Probiotika, bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.

Was ist das Besondere an Probiotika?

Um ihre Aufgaben im Darm zu erfüllen, müssen die Mikroorganismen sehr widerstandsfähig sein. Darunter zählt die Resistenz gegenüber Magen- und Gallensäure, da sie sonst ihr Ziel nicht erreichen würden. Dort unterstützen sie die gesunden Darmbakterien in ihren Aufgaben und stärken das Immunsystem.

Wie wirken Probiotika im Körper?

Werden Probiotika in ausreichender Menge eingenommen, siedeln sich die Bakterien im Darm an. Dort können sie die körpereigenen Bakterien in ihren Aufgaben unterstützen und Abwehrfunktionen übernehmen. Zudem beeinflussen sie den Stoffwechsel positiv und produzieren Abwehrstoffe zur Bekämpfung von schädlichen Erregern. Ein weiterer gesundheitlicher Vorteil ist, dass sie bestimmte Substanzen an die Darmschleimhaut abgeben, über die sich diese schneller regenerieren kann. Da Probiotika auch die Verdauung anregen, verweilt der Nahrungsbrei nicht mehr so lange im Darm. So werden Giftstoffe schneller ausgeschieden und gelangen nur in geringer Menge in den Blutkreislauf.

Die verschiedenen Arten und Typen der Probiotika

Bei den probiotischen Mikroorganismen handelt es sich in den meisten Fällen um Bakterien. Aber auch Hefen können zum Einsatz kommen. In den letzten Jahrzehnten wurden immer mehr verschiedene Arten entdeckt.

Laktobazillen

Bei Laktobazillen handelt es sich um Milchsäurebakterien. Diese sind für den Abbau von Zucker zu Milchsäure verantwortlich. Dieser Prozess wird als Milchsäuregärung bezeichnet. Bekannt sind 50 verschiedene Arten der Milchsäurebakterien, welche im Verdauungssystem, den Genitalien oder dem Harntrakt zu finden sind. Daneben besitzen sie auch in fermentierten Lebensmitteln (z. B. Sauerkraut oder Joghurt) einen Lebensraum. Übersicht der Laktobazillen, die Probiotika zugesetzt werden:
  • Acidophillus DDS-1
  • Lactobazillus Bulgaricus
  • Lactobazillus Rhamnosus GG
  • Lactobazillus Plantarium
  • Lactobazillus Reuteri
  • Lactobazillus Salivarius
  • Lactobazillus Casei
  • Lactobazillus Johnsonii
  • Lactobazillus Gasseri

Bifidobakterien

Bifidobakterien machen circa 90 Prozent unserer gesunden Darmbakterien aus. Bekannt sind bis jetzt circa 30 verschiedene Arten. Übersicht der Bifidobakterien, die Probiotika zugesetzt werden
  • Bifodbacterium Bifidum
  • Bifodbacterium Lactis
  • Bifodbacterium Longum
  • Bifodbacterium Breve
  • Bifodbacterium Infantis
  • Bifodbacterium Thermophilum
  • Bifodbacterium Pseudolongum

Saccharomyces Boulardii

Hierbei handelt es sich um ein Probiotikum in Hefeform.

Streptococcus Thermophilus

Dieser Keim ist sehr resistent gegenüber Temperaturen und Magensäure. Daher ist eine Ansiedlung im Darm ohne weitere Probleme möglich. Seine Funktion besteht in der Produktion des Enzyms Laktase.

Escherichia (E.) Coli

Diese Bakterien kommen in natürlicher Form im Darm vor und sind für die Verwertung von Kohlenhydraten und Eiweißen zuständig. Da sie vom Immunsystem als "fremde" Bakterien angesehen werden, wird die Produktion von Abwehrstoffen angeregt. Zudem gibt es auch Typen, die für die Entstehung von Erkrankungen (z. B. Durchfall) verantwortlich sind.

Wo haben Probiotika ihre Einsatzgebiete?

Probiotika können strategisch für eine gesunde Darm- und Gehirngesundheit zum Einsatz kommen. In der Forschung werden immer neuere Möglichkeiten erschlossen. So sollen Probiotika zum Beispiel Stress mindern. Im ferneren Sinne beschäftigen sich Forscher sogar mit der Behandlung von Depressionen durch Probiotika.

Bei welchen Beschwerden können Probiotika Anwendung finden?

 

Durchfallerkrankungen

In erster Linie kommen Probiotika bei akuten Durchfällen, bedingt durch die Einnahme von Antibiotika, zum Einsatz. Daneben ist aber auch die Behandlung von länger anhaltenden Durchfallerkrankungen möglich. Diese werden meist durch Infektionen ausgelöst. In beiden Fällen wird die gesunde Darmflora gestört und das körpereigene Immunsystem geschwächt. Hier kommen die verschiedene Laktobazillen erfolgreich zum Einsatz.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Mit der Einnahme von Probiotika sollen bei diesen Erkrankungen (z. B. Morbus Crohn, Reizdarmsyndrom oder Colitis Ulcerosa) die Entzündungswerte der Patienten verbessert werden. Bei diesen Erkrankungen besteht ein Mangel an gesunden Darmbakterien und somit ein Ungleichgewicht der Darmflora. Wird die Darmflora durch Probiotika unterstützt, verbessert sich auch dementsprechend der Krankheitsverlauf.

Allergien

Hier findet vor allem Lactobacillus Casei Verwendung. Mit der Einnahme werden die Immunantwort des Körpers verbessert und die Entzündungswerte verringert. So können zum Beispiel typische Symptome verringert werden.

Nahrungsmittelallergien

Hier steht vor allem die Verwendung von Lactobacillus Rhamnosus im Mittelpunkt. Dabei soll es zu einer Verringerung der allergischen Reaktionen im Körper kommen, besonders bei Milchunverträglichkeit. Bei Säuglingen können die allergischen Reaktionen bei Kuhmilchallergie oder Neurodermitis verringert werden.

Metabolisches Syndrom

Auch hier können Probiotika zum Einsatz kommen. Dabei werden nicht nur Entzündungen bekämpft, sondern auch das Risiko von Herzerkrankungen gesenkt.

Übergewicht

Probiotika können auch einen positiven Verlauf bei der Gewichtsreduzierung fördern.

Erhöhter Cholesterinspiegel und Bluthochdruck

Probiotika erhöhen die Werte des "guten" Cholesterins im Körper. Somit verbessert sich der Cholesterinspiegel. Zudem kann mit der Einnahme von Probiotika der Blutdruck gesenkt werden.

Wie können Probiotika dem Körper zugeführt werden?

Eine wichtige Rolle spielen dabei sogenannte probiotische Lebensmittel. Diesen werden die Bakterien nachträglich zugesetzt. Bekannte Vertreter sind zum Beispiel Sauerkraut und Joghurt. Zudem werden Probiotika aber auch als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Diese Präparate besitzen eine große Menge der nützlichen Bakterienstämme und werden meist in Kapselform angeboten. Probiotika sind nicht mit Präbiotika zu verwechseln. Während es sich bei ersterem um gesundheitsfördernde Bakterienstämme handelt, bilden Präbiotika die Nahrungsquelle dieser Bakterien. Bei der Einnahme von Probiotika empfiehlt sich die gleichzeitige Einnahme von Präbiotika, um die Ansiedlung im Darm zu unterstützen. Zudem gibt es sogenannte Synbiotika, bei denen es sich um Kombinationspräparate aus Präbiotika und Probiotika handelt.