Was bedeutet „Darmflora“?


Darmflora
Darmflora © Alex / Fotolia

Als Darmflora wird die Gesamtheit aller Mikroorganismen bezeichnet, die im Darm zu finden sind und eine wesentliche Rolle bei der menschlichen Verdauung spielen. Dazu zählen vorwiegend Bakterien der Gruppen

  • Enterococcus
  • Escherichia coli
  • Bacteroides
  • Bacillus

Diese haben die Aufgabe, den Organismus bei der Ballaststoff-Verdauung zu unterstützen. Eine funktionierende Darmflora ist daher sehr wichtig, da sonst Verdauungsstörungen auftreten können. Der Magen-Darm-Trakt ist vor der Geburt noch komplett steril und wird erst dann von Mikroorganismen besiedelt. Nach und nach entwickelt sich dann die Darmflora, wobei im Darm eines Erwachsenen ungefähr 1,5 Kilogramm Bakterien zu finden sind. Der Terminus „Flora“ ist auf die frühere Auffassung zurückzuführen, dass Mikroorganismen bzw. Bakterien zum Pflanzenreich gehören. Heute bilden Bakterien aber eine eigenständige Domäne, sodass eher von einer Darm-Mikroorganismen-Gemeinschaft gesprochen werden sollte. Die Gesamtheit aller Stoffwechselvorgänge dieser Mikroorganismen entspricht in etwa dem Stoffwechsel eines Organs, daher bezeichnen einige Wissenschaftler die Darmflora oftmals als „vergessenes Organ“.

Entwicklung der Darmflora

Bei Säuglingen, die mit der Flasche gefüttert werden, wird der Darm zu Beginn mit Streptococcus bzw. E. coli besiedelt. Diese Bakterien sorgen in der ersten Lebenswoche für Bedingungen, durch die dann eine weitere Besiedlung mit anaeroben Bakterien wie Bacteroides, Ruminococcus oder Bifidobacterium begünstigt wird. Bei Säuglingen, die gestillt werden, erfolgt zunächst eine Besiedlung mit Bakterien, die Milchsäure herstellen. Dazu gehören zum Beispiel Laktobazillen oder Bifidobakterien. Dadurch wird das Darmmilieu angesäuert und schädliche Bakterien können sich nur sehr schwer ansiedeln.

Funktionen der Darmflora

Die Darmflora ist für den Menschen sehr nützlich, da die Darmbakterien Nahrungsbestandteile verwerten. Außerdem verhindern die Mikroorganismen, dass sich Krankheitserreger im Darm ausbreiten, wodurch in weiterer Folge Infektionen hervorgerufen werden können. Des Weiteren bilden Darmbakterien Vitamin K, das wichtig für die Blutgerinnung ist, und sorgen für das Funktionieren des Immunsystems. Sie versorgen die Zellen der Darmschleimhaut mit Energie und bauen Schadstoffe ab.

Veränderungen der Darmflora

Normalerweise ist die Darmflora beim gesunden Menschen relativ konstant, es gibt aber auch Faktoren, durch die die Zusammensetzung dieses komplexen Ökosystems beeinflusst wird:

Einnahme von Medikamenten

Hier ist speziell eine Antibiotika-Behandlung von Bedeutung, da diese Bakterien zerstören bzw. ihr Wachstum hemmen kann. Müssen bakterielle Infektionen bekämpft werden, ist eine Therapie mit Antibiotika jedoch sehr häufig notwendig. Diese Präparate erkennen allerdings nicht, ob die Mikroorganismen gefährlich sind oder nicht. Wenn Antibiotika daher in den Darmtrakt gelangen, so bekämpfen sie auch nützliche Bakterien. Die meisten Bakterienarten können sich nach einigen Wochen wieder erholen, es gibt allerdings auch Mikroorganismen, deren Ausgangszustand auch nach Monaten nicht vollständig hergestellt werden kann. Daher sollten Antibiotika nie wahllos zum Einsatz kommen.

Richtige Ernährung

Mikroorganismen beziehen ihre Energie- und Nährstoffquellen aus Nahrungsbestandteilen, die im Rahmen des Verdauungsprozesses entstehen. Die Ernährungsweise beeinflusst daher auch die Zusammensetzung der Darmflora. So dominieren beispielsweise bei Übergewichtigen andere Arten von Bakterien als bei normalgewichtigen Menschen und es sind auch nicht so viele Bakterienarten im Darm zu finden. Besteht ein Überangebot an bestimmten Nährstoffen, so können sich einige Bakterienarten offenbar sehr rasch vermehren, wohingegen andere verdrängt werden.

Gesunde Darmflora

Wer auf eine gesunde bzw. ausgewogene Ernährung achtet, verfügt im Normalfall auch über eine intakte Darmflora. In Ausnahmefällen, wie beispielsweise nach einer Behandlung mit Antibiotika, kann es sich auch als sinnvoll erweisen, Präparate einzunehmen, durch die der menschliche Organismus noch zusätzlich mit Darmbakterien versorgt wird. Hierdurch kann das gestörte Gleichgewicht wieder hergestellt werden. Als sinnvoll erweisen sich auch probiotische Lebensmittel, die meist in Form von Milchprodukten angeboten werden. Diese enthalten Mikroorganismen, die dann durch die Nahrungsmittelaufnahme in den Darm gelangen. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Laktobazillen und Bifidobakterien, die zu den Milchsäurebakterien zählen.

Verhinderung von Darmerkrankungen

Die Bakterien der Darmflora produzieren kurzkettige Fettsäuren, die nach Ansicht einiger Wissenschaftler chronisch-entzündliche Darmerkrankungen verhindern können. Patienten mit Morbus Crohn verfügen beispielsweise nur über eine sehr gerine Anzahl von Bakterien des Stammes Faecalibacterium prousnitzii (vgl. www.ncbi.nlm.nih.dov/pubmed/23829084). Des Weiteren ist auffällig, dass vor allem Menschen in industrialisierten Ländern sehr oft an entzündlichen Darmerkrankungen leiden, wohingegen die Häufigkeit von Darmerkrankungen in weniger entwickelten Ländern wesentlich geringer ist. Als Gründe dafür gelten das frühzeitige Abstillen, die zu gute Hygiene bzw. der enorme Konsum von tierischen Fetten und Zucker. Vor allem durch die Aufnahme von Zucker können sich jene Mikroorganismen vermehren, die Einfluss auf die Ausgewogenheit der Darmflora haben.

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