Tipps für den Aufbau einer gesunden Darmflora


Sauerkraut Darmflora
© Daniel Vincek / Fotolia

Die Darmflora besteht aus rund 100 bis 400 verschiedenen Bakterien. Während der Darm zur Zeit der Geburt noch steril ist, sammeln sich durch die Nahrungsaufnahme Bakterien an, die schließlich miteinander leben und die Darmflora darstellen. Gemeinsam mit dem Menschen, dem Wirt der Bakterien, entsteht eine Symbiose.

Während der Darm den Bakterien ihren Lebensort zur Verfügung stellt, leisten sie einen wertvollen Beitrag für die Gesundheit ihres Wirts, indem sie die Ansiedlung pathologischer Keime vermeiden, Hormone recyceln und bestimmte Substanzen wie die Vitamine K und B2 oder Biotin herstellen. Die Darmflora kann sich im Laufe des Lebens jedoch verändern. Eine solche Veränderung ist oftmals mit gesundheitlichen Beschwerden verbunden. Allerdings gibt es ausreichend Möglichkeiten, die Darmflora aufzubauen.

Probiotika – Heilmittel der Darmflora

Bei Probiotika handelt es sich um lebende Mikroorganismen. Diese werden über die Nahrung oder mit Nahrungsergänzungsmitteln aufgenommen und siedeln sich im weiteren Verlauf im Darm an, wo sie die Arbeit des Organs unterstützen sollen. In der Regel handelt es sich bei den verwendeten Bakterien um Lactobacillus- und Bifidobakterien.
Diese haben eine gesundheitsfördernde Wirkung auf den Darm.

Als Probiotikum sind unter anderem Milchsäurebakterien aus Sauerkraut oder Hefe geeignet. Sie sind resistent gegenüber von Magen- und Gallensäure, was auch notwendig ist, damit sie an ihrem eigentlichen Arbeitsort, dem Darm, ankommen und auf dem Weg nicht vernichtet werden. Die in der Hefe enthaltenen Pilze können andere Pilzstämme verdrängen, welche wiederum für die Entstehung von gesundheitlichen Beschwerden verantwortlich sind.

Insgesamt sind Probiotika dazu in der Lage, die Vermehrung pathologischer Keime zu reduzieren und auf diese Weise das Gleichgewicht der Darmflora wiederherzustellen. Damit die Darmflora langfristig von den Probiotika profitiert, ist eine regelmäßige Aufnahme wichtig. Diese lässt sich zum Beispiel über folgende Produkte erreichen:

  • Sauerkraut
  • Joghurt
  • Tempeh
  • Apfelessig
  • Kombucha (fermentierter Tee)
  • Kimchi (fermentierter Chinakohl)

Probiotika aus der Apotheke

Probiotika werden nicht immer mit der natürlichen Nahrung aufgenommen. Gerade, wenn die Darmflora durch eine Antibiotika-Einnahme oder eine Erkrankung in Mitleidenschaft gezogen wurde, raten einige Mediziner eher zu einem Produkt aus der Apotheke. Der Vorteil hier ist die Sicherheit, dass genügend nützliche Kulturen vorhanden sind und im Darm ankommen werden. Ein solches Wissen ist bei Lebensmitteln nicht vorhanden. Hier unterliegt der Anteil der Kulturen vor allem bei einer Unterbrechung der Kühlkette oder einer unsachgemäßen Lagerung einigen Schwankungen.

Präbiotika – Helfer der Probiotika

Neben Probiotika kommt es häufig zudem zum Einsatz von Präbiotika. Präbiotika weisen eine pflanzliche Herkunft auf und unterstützen das Wachstum der angesiedelten Milchsäurebakterien, indem sie ihnen als Nahrung dienen. Auf diese Weise lässt sich das wiedergewonnene Gleichgewicht der Darmflora stabilisieren. Präbiotika sind Ballaststoffe.

Sie kommen unter anderem in Obst und Gemüse vor und sollten für einen gesunden Darm einen großen Teil des Speiseplans ausmachen. Besonders beliebt sind folgende Präbiotika:

  • Schwarzwurzeln
  • Knoblauch
  • Zwiebeln
  • Lauch
  • Bananen
  • Artischocken
  • Hafer

Für eine Regulation der Darmtätigkeit schlägt die Klinik für Ernährungsmedizin in München eine Aufnahmemenge von mindestens 5 Gramm pro Tag vor.

Gesunde Ernährung – gesunder Darm

Wichtig für eine gesunde Darmflora und den Wiederaufbau sind aber nicht nur Probiotika und Präbiotika. Eine besondere Rolle spielt auch die Ernährung insgesamt. Diese sollte gesund und vor allem ausgewogen sowie am besten vermehrt basisch sein. Im Rahmen einer basischen Lebensweise werden vor allem Speisen konsumiert, die weniger säureproduzierende Elemente enthalten, dafür aber basisch wirkende Teile. Zu den basischen Lebensmitteln gehören vor allem Obst und Gemüse. Säurelastig sind hingegen tierische Produkte wie Fleisch und Käse, aber auch Essig und kohlensäurehaltige Lebensmittel.

Um den Darm in Schwung zu bringen und langfristig gesund zu halten, ist eine ausreichende Versorgung mit Obst und Gemüse wichtig. Darüber hinaus sollte der Speiseplan genügend Ballaststoffe enthalten und eiweißreduziert sein. Zucker, Alkohol und Fast Food sollten lieber nur selten konsumiert werden. So kann Zucker zum Beispiel die Vermehrung von Pilzen fördern.

Antibiotika nur bei medizinischer Notwendigkeit

Antibiotika wirken sich negativ auf die Darmflora aus und sollten deswegen nicht unbedacht zum Einsatz kommen, sondern nur dann, wenn eine Behandlung mit Antibiotika wirklich notwendig ist. Antibiotika vernichten effizient Bakterien und können so Infektionen behandeln. Allerdings unterscheiden sie in ihrer Wirkungsweise nicht zwischen „guten“ und „schlechten“ Bakterien. Dementsprechend vernichtet Antibiotika auch die wertvolle Darmflora.

In einer Studie (http://mbio.asm.org/content/6/6/e01693-15.full) fanden Experten heraus, dass die Schäden durch Antibiotika teilweise mehrere Monate anhalten. Getestet wurden 66 Probanden, von denen ein Teil ein Placebo erhielt und der andere Teil unterschiedliche Antibiotika. Vor der Einnahme, ein Monat, zwei Monate, vier Monate und 12 Monate danach untersuchten die Forscher die Stuhl- und Mundflora durch entsprechende Proben. Bei den meisten Antibiotika waren im Verlauf der Untersuchungen weiterhin Schäden der Darmflora festzustellen.

Um die Darmflora aufzubauen, sollte zunächst auf Antibiotika verzichtet werden, wenn der gesundheitliche Zustand es erlaubt. Bei der wiederholten Einnahme von Antibiotika, ist der Aufbau der Darmflora nur schwer zu bewältigen. Deswegen ist es ratsam, das Immunsystem zu verbessern, um Infektionen zu vermeiden, die wiederum in der notwendigen Einnahme von Antibiotika resultieren können. Weil das Immunsystem und der Darm eng miteinander zusammenhängen, darf die Behandlung des Darms zur Stärkung des Immunsystems nicht vergessen werden.

Mit der Medizin zur gesunden Darmflora

Vor allem wenn Erkrankungen die Darmflora aus dem Gleichgewicht gebracht haben, ist es sinnvoll, den Aufbau der Flora medizinisch zu bewältigen. Dabei bedienen sich Ärzte vor allem zwei gängigen Maßnahmen: Der Schleimhauttherapie sowie der mikrobiologischen Therapie. Ob ein solches Verfahren zum Einsatz kommt, entscheidet sich während der Untersuchung.

Schleimhauttherapie

Wenn die Schleimhaut beispielsweise durch eine Darmentzündung nicht optimal arbeitet, muss diese zunächst behandelt werden. Damit sich die gesundheitsfördernden Bakterien im Darm vermehren, sollte die Schleimhaut intakt sein. Um sie in Schwung zu bringen, arbeiten viele Mediziner mit der Schleimhauttherapie, in deren Rahmen man dem Betroffenen Stoffwechselprodukte bestimmter Bakterien hinzuführt. Dazu gehören unter anderem die Stoffwechselprodukte von E.coli oder Lactobacillen, also Milchsäurebakterien. Bei E.coli handelt es sich um ein Darmbakterium des Menschen.

Mikrobiologische Therapie

Bei der mikrobiologischen Therapie kommt es zur Aufnahme ganzer Keime und nicht lediglich deren Stoffwechselprodukte. Dafür kommen sowohl lebendige als auch abgetötete Keime zum Einsatz. Verwendet werden zum Beispiel die Keime E. coli oder Enterococcus faecalis. E. coli und Enterococcus faecalis sind Teil der natürlichen, menschlichen Darmflora. Damit schädigen sie Darm oder Darmflora nicht, sondern helfen dabei, die Darmflora ins Gleichgewicht zu bringen und den Darm so zu sanieren.

Bitte bewerten Sie diesen Artikel
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (33 votes, average: 4,48 out of 5)
Loading...