Wie wirken Probiotika bei Laktoseintoleranz?


Laktoseintoleranz
© Johanna Mühlbauer / Fotolia

Wenn Betroffene unter einer Laktoseintoleranz leiden, liegt häufig ein Mangel bzw. Aktivitätsverlust des Enzyms Laktase vor. Dabei handelt es sich um ein Milchzucker spaltendes Enzym. Die Betroffenen leiden unter verschiedenen Beschwerden, speziell nach dem Genuss von Milchprodukten, da diese den sogenannten Milchzucker (Laktose) enthalten. Dieser ist aber auch in vielen anderen Lebensmitteln, zum Beispiel Fertigprodukten enthalten.

Was passiert im Körper bei einer Laktoseintoleranz?

Milchzucker besteht aus einer chemischen Verbindung der zwei Zucker Glukose (Traubenzucker) und Galaktose (Schleimzucker). Wird Milchzucker über die Nahrung aufgenommen, muss der Körper diesen mit Hilfe des Enzyms Laktase verdauen. Ist im Dünndarm nur sehr wenig bzw. gar keine Laktase vorhanden, ist eine Spaltung des Milchzuckers nur gering bis gar nicht möglich. In diesem Fall gelangt der Milchzucker unverändert in den Dickdarm. Dabei können verschiedene Beschwerden bei den Betroffenen auftreten. Dazu zählen Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall.

Doch nicht nur das fehlende Enzym kann eine Laktoseintoleranz hervorrufen, auch Darmerkrankungen sowie eine intakte Darmflora können zu einer Unverträglichkeit führen bzw. das Laktase-Defizit hervorrufen.

Woran erkenne ich, ob es sich um eine Laktoseintoleranz handelt?

Wie stark die Beschwerden aufhängen ist vor allem von der aufgenommenen Menge an Milchzucker abhängig. Diese ist von Lebensmittel zu Lebensmittel unterschiedlich. Den höchsten Milchzuckergehalt besitzen aber Milch und Milchprodukte. Zum anderen reagieren nicht alle Menschen gleich empfindlich. Symptomatisch ist in erster Linie der Verdauungstrakt betroffen. Hier können Durchfall, Blähungen, Bauchkrämpfe, Übelkeit und Erbrechen auftreten. Die Beschwerden treten in der Regel direkt nach der milchzuckerhaltigen Mahlzeit auf.

Was wird bei Laktoseintoleranz empfohlen?

In erster Linie wird natürlich die Empfehlung ausgesprochen, den Verzehr von milchzuckerhaltigen Lebensmitteln einzuschränken. Wer aber nicht gänzlich auf den Verzehr von Milch und Milchprodukten verzichten möchte, hat die Möglichkeit,auf sogenannte laktosefreie Produkte zurückzugreifen.

Beim Verzehr von Fertigprodukten gestaltet sich dies etwas schwieriger. Hier besteht die Möglichkeit, Laktasepräparate einzunehmen. Diese können direkt vor einer Mahlzeit eingenommen werden und versorgen den Körper mit dem fehlenden Enzym Laktase. So kann der Milchzucker dennoch gespalten werden, ohne dass Beschwerden auftreten.

Eine weitere Möglichkeit besteht in der Verwendung der sogenannten Probiotika. Bei diesen handelt es sich um lebende Mikroorganismen, welche den Aufbau einer gesunden Darmflora unterstützen. Diese haben sich bei der Behandlung von Laktoseintoleranz ebenfalls als sehr hilfreich erwiesen. Zudem unterstützen sie die Verdauungsfunktion und regen die Produktion des Enzyms Laktase an. Probiotika sind in sogenannten probiotischen Lebensmitteln oder in Form von Nahrungsergänzungsmitteln erhältlich. Für den gewünschten positiven Effekt müssen sie täglich eingenommen werden.

Wir wirken Probiotika bei Laktoseintoleranz?

Für die unterstützende Behandlung eignen sich am besten probiotische Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel mit einem hohen Gehalt an Milchsäurebakterien. Diese befinden sich von Natur aus in der intakten Darmflora und zählen zu den gesunden Darmbakterien. Sie besitzen die Fähigkeit, Milch- und Fruchtzucker zu verstoffwechseln. Dabei unterstützen sie die Verdauung dieser Zucker. Zudem bauen die Bakterien die Darmflora auf und sorgen für ihren regenerativen Erhalt. Dabei werden vor allem die oberen Darmzellen in ihrer Funktion unterstützt und können ausreichende Mengen Laktase produzieren.

Milchsäurebakterien produzieren im Darm die sogenannten Beta-Galactosidase, welche die Verträglichkeit des Milchzuckers, bei einer vorliegenden Intoleranz verbessern. Gleichzeitig können auch die Symptome der Betroffenen gelindert werden. Dabei spielen die Bifidobakterien eine wichtige Rolle.

Außerdem kann auch der Verzehr von probiotischen Joghurt (dieser enthält lebensfähige Bakterien), die Verdauung von Milchzucker positiv beeinflussen. Auch hier werden die Symptome gelindert und die Verträglichkeit verbessert. Zu den in probiotischen Joghurt enthaltenen Bakterien zählen Streptococcus thermophilus sowie Lactobacillus delbrueckii sp. bulgaricus.

Probiotika besitzen auch einen positiven Effekt auf die immunologische Abwehrfunktion des Darms. Dort sorgen sie für eine vermehrte Ausschüttung des sekretorischen Immunglobulin A (slgA). Dabei wirken sie allergischen bzw. entzündlichen Prozessen entgegen. Es handelt sich bei dem Immunglobulin A um ein Protein, dass wie eine Schutzschicht auf den Schleimhäuten wirkt. So können Fremdstoffe und allergieauslösende Antigene nicht in den Blutkreislauf gelangen.

Übersicht der Wirkungen

  • Unterstützung der oberen Darmzellen in ihrer Funktion (Laktaseproduktion)
  • Aufbau und Regenerierung der Darmflora
  • Verbesserte Verstoffwechslung des Milchzuckers
  • Steigerung der Verträglichkeit von Laktose
  • Symptome der Betroffenen werden gelindert
  • Positiver Effekt auf das immunologische Abwehrsystem

Ist eine Heilung der Laktoseintoleranz mit Probiotika möglich?

In den meisten Fällen handelt es sich bei der Milchzuckerunverträglichkeit um einen vorrübergehenden Zustand. Dabei spielt vor allem die Darmflora eine wichtige Rolle. Ist diese gestört oder geschädigt (durch verschiedene Einflüsse), können die guten Darmbakterien von schädlichen verdrängt werden. Diese schränken die Funktion der oberen Darmzellen ein. Diese sind jedoch für die wichtige Produktion des Enzyms Laktase von Nöten.

Verschiedene chronische Darmerkrankungen können ebenfalls zu einer eingeschränkten Funktion der Darmzellen führen. Hier handelt es sich aber in der Regel nicht um einen vorrübergehenden Zustand, sondern um eine dauerhafte Einschränkung durch stetige Entzündungen der Darmschleimhaut.

Sind die Darmzellen in ihrer Funktion eingeschränkt, kann es zu Defiziten in der Laktasebildung kommen. Folglich kommt es zu einer Unverträglichkeit des Milchzuckers. Liegt diese Einschränkung der Darmzellenfunktion auf Grund einer gestörten Darmflora vor, ist es von Vorteil, wenn durch die Einnahme von Probiotika das Gleichgewicht der Darmbakterien wiederhergestellt wird. Hier sollte der Anteil der guten Darmbakterien überwiegen (circa 80 bis 85 %).

Ist das Gleichgewicht wieder hergestellt, können sich die Darmzellen erholen und ihre Funktion wieder einwandfrei übernehmen. In dieser Zeit sollte auf den Verzehr von Milch und Milchprodukten weitestgehend verzichtet werden. So wird nach einer gewissen Abstinenzzeit der uneingeschränkte Verzehr wieder möglich. Auch nach dieser Zeit ist die unterstützende Einnahme von Probiotika sowie probiotischen Lebensmitteln empfehlenswert. So wird die Darmflora weiterhin intakt gehalten und die ausreichende Lakteseproduktion sichergestellt. Zudem verhindert eine gesunde Darmflora auch die Entstehung entzündlicher Darmerkrankungen, welche häufig eine Laktoseintoleranz mit sich bringen.

Können Probiotika auch vorbeugend bezüglich eines Laktasemangels eingenommen werden?

Der vorbeugenden Einnahme von Probiotika steht nichts im Wege! Da die gesunden Bakterien im Darm sehr viele wichtige Funktionen übernehmen und die immunologische Abwehrfunktion stärken, kann auch einer Unverträglichkeit vorgebeugt werden. Da die Darmflora die oberen Darmzellen schützt, wird deren einwandfreie Funktion sichergestellt.

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